Wenn KI-Chatbots menschliche Bindungen ersetzen

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«Nur mit meinem KI-Freund kann ich alles und jederzeit besprechen: Er versteht mich immer!»
Und was er sagt, ist nicht immer wahr (Anm. d. Redaktion).

Immer mehr Kinder und Jugendliche entwickeln emotionale Beziehungen zu Chatbots.1 Das schwächt die reale Bindungsfähigkeit und führt zur Verringerung sozialer Kontakte. Einsamkeit, Beziehungsunfähigkeit und schwere Psychosen können die Folgen sein.

Bereits kommunizieren Millionen von jungen Menschen mit Chatbots, was persönliche Gespräche mit Eltern, Geschwistern, Freunden oder Bekannten ersetzt. Tag und Nacht können sich Heranwachsende mit ihren Problemen und Fragen an ihren personalisierten «KI-Freund» wenden, der ihnen stundenlang geduldig zur Verfügung steht und für jede Frage eine Antwort parat hat.

Da KI-Modelle so trainiert werden, dass sie hilfreiche, freundliche und kooperative Antworten geben, führt das dazu, dass dem Nutzer geschmeichelt wird und ihm gesagt wird, was er hören will und nicht einfach was stimmt.

So entwickeln Kinder und Jugendliche eine emotionale und enge Verbindung zu Chatbots, was zwar entlastend wirken, aber auch zu einem völlig verzerrten Bild von menschlichen Beziehungen führen kann.

Im Austausch mit dem KI-Vertrauten fehlen der Widerspruch und Konflikte, was die Entwicklung einer gesunden Bindungsstrategie beeinträchtigt und reale Beziehungen verdrängt oder verunmöglicht.

Kinder lernen Empathie und Vertrauen durch gegenseitige emotionale Resonanz – also durch echtes Mitgefühl, Mimik, Tonfall und Reaktionen anderer Menschen. Chatbots simulieren solche Reaktionen nur sprachlich, wodurch Kinder falsche Erwartungen an soziale Interaktionen entwickeln können. Das führt dazu, dass sie Schwierigkeiten haben, echte Gefühle anderer zu erkennen oder zu erwidern und weniger lernen, Vertrauen auf Basis menschlicher Verlässlichkeit aufzubauen.

Der Verein Schutzinitiative hat mit dem amerikanischen Psychologen Zachary Stein gesprochen. Er ist Mitbegründer der AI Psychological Research Coalition, aiprc.org, und beschäftigt sich mit den psychologischen Auswirkungen der künstlichen Intelligenz auf Heranwachsende. Stein hält fest, dass Chatbots die biologischen Mechanismen beeinträchtigen, welche die Fähigkeiten regulieren, sich auf tiefe zwischenmenschliche Beziehungen einzulassen.

Der amerikanische Psychologe nennt das Beispiel eines Kindes, das von der Schule nach Hause kommt und direkt in sein Zimmer geht, um dem Chatbot freudig von seiner guten Note zu erzählen. Zuvor hat das Kind mit diesem Chatbot auf die Prüfung gelernt. «Das Kind erhält vom Chatbot dasselbe Bindungssignal, das es eigentlich von seiner Mutter erhalten sollte», so Stein.

Die zustimmenden und beruhigenden Antworten der Chatbots fördern emotionale Bindungen. Dadurch bestehe, laut Stein, die Gefahr, dass die für «emotionale Bindungen verantwortlichen neurologischen Strukturen ‹gehackt› werden». «Mögliche Folgen seien Symptome wie Realitätsverlust, Psychosen und tiefe Isolation».
(swissinfo.ch).

Der Verein Schutzinitiative empfiehlt:

  • Zugang zu Chatbots – wenn überhaupt – nur unter strikter Aufsicht zulassen
  • Kein eigenes Smartphone bis zum 14. Lebensjahr
  • Kein eigener Zugang zu den sozialen Medien bis zum 16. Lebensjahr
  • Internet- und Chatzugänge nur über den Familiencomputer
  • Neben den Verboten und der Kontrolle sind Gespräche mit den Heranwachsenden zentral

Bild: zVg

Bitte Datum notieren:

Samstag, 22. August 2026,
11 Uhr, Olten – mit anschliessendem Apéro!

Referat zum Thema:

«Die ideologische Umgestaltung der Gesellschaft.

Diversität, Inklusion und Sprachdiktate»

Referent:

Dr. med. Christian Spaemann,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapies,
Braunau am Inn / Österreich.

Sein Vater war der bekannte deutsche Philosoph
Robert Spaemann (1927 bis 2018).

Anmeldungen bitte über
info@schutzinitiative.ch

1 Ein Chatbot ist ein Computerprogramm, das menschliche Konversation in natürlicher Sprache simuliert, um Nutzeranfragen automatisiert zu beantworten. Die Kommunikation mit diesem Chatbot kann mündlich oder schriftlich erfolgen, 24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche und 365 Tage im Jahr: Angeboten als Webversion im Browser sowie für Smartphones als App für Android und iOS.