Durch Bilderbuch zum Missbrauch
Ein ideologisch aufgeladenes Bilderbuch für die «Kleinsten» in einer Schweizer Kita zeigt kinderpornografische Abbildungen und fordert zur gegenseitigen Erkundung der Geschlechtsteile auf. Prompt kommt es zu einem sexuellen Übergriff. Die Mutter des Kindes reicht Strafanzeige ein. Und die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Karla Etschenberg meint zum Buch: «Freude an solchen Darstellungen hätten insbesondere Pädophile!»
Das Buch heisst «Wuschelkopf und Pupspopo» und bezeichnet sich im Untertitel ausdrücklich als «Mitmachbuch für die Kleinsten ab 18 Monaten». Mitmachen heisst in diesem Fall: eigene und fremde Körper erkunden, anschauen, anfassen. Das Buch für Kleinkinder ist auch bildlich mehr als explizit: Es zeigt nackte Menschen und allerlei Nahaufnahmen von männlichen und weiblichen Geschlechtsteilen von Kindern und Erwachsenen.
Der Verlag – Achse aus Wien – preist das Buch mit den Sätzen an, nichts fasziniere Kleinkinder mehr als den eigenen Körper. «Simpel und anschaulich» würden «Körperteile und ihre Namen zeitgemäss in Szene gesetzt». Klappen, dicke Pappe und einfache Sprache ergäben «ein tolles erstes Buch für alle, die keine Lust auf veraltete Begriffe und heteronormative Darstellungen» hätten. Als ob Kleinkinder überhaupt eine Vorstellung von Mann und Frau als sexuellen Wesen hätten und wüssten, was «heteronormativ» ist und sich davon verabschieden wollten.
Tatsächlich zeigt das Buch unter anderem ein nacktes schwarzes Mädchen, das mit weit aufgerissenen Augen auf das Geschlechtsteil eines anderen Mädchens schaut – zwischen den gespreizten Beinen hat es einen Penis.
Strafanzeige nach Missbrauch in Kita
Schon an dieser Stelle wird ersichtlich, wie sehr dieses Werk eine Projektion und ein ideologisches Instrument ist: «Nichtheteronormative» Erwachsene wollen Kinder, ja erklärtermassen «Kleinkinder», möglichst früh in eine sexualisierte und Lust orientierte Welt einführen.
Und es wirkt: Das propagierte «Mitmachen» hat ein Knabe in einer Kita in einem Nordwestschweizer Kanton ganz im Sinne der Verfasser derart ernst genommen, dass er einen anderen Jungen missbraucht hat, wie Medien berichten. Die Mutter des Opfers hat in diesem Zusammenhang Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft erstattet.
Darin heisst es, die Mutter habe ihren dreijährigen Sohn zu Hause beobachtet, wie er «sexuelle Handlungen mit bzw. an einer männlichen Puppe nachstellte». Sie sei «sehr schockiert» darüber gewesen, habe ihr Sohn «doch noch nie ein solches Verhalten an den Tag gelegt». Im Gespräch habe ihr Sohn dann angegeben, «dass er dies gemacht habe, weil es in der Kita am Vortag zu einer sexuellen Handlung zwischen ihm und einem vierjährigen Jungen gekommen sei». Der ältere Junge soll gemäss Strafanzeige «den Penis des Sohnes der Anzeigestellerin in den Mund genommen und daran gesaugt haben». Anschliessend soll er gesagt haben, dass es ihm «schmecken» würde.
Es müsse, heisst es in der Strafanzeige weiter, davon ausgegangen werden, «dass der Sohn der Anzeigestellerin Opfer des Übergriffs wurde, weil der andere Junge diese Handlung im Buch ‹Wuschelkopf und Pupspopo› gesehen hatte und er dies nachmachen wollte».
Der Fall ist in mehrfacher Hinsicht skandalös: Nicht nur ist ein dreijähriges Kind in einer Kita, der er anvertraut war, Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden. Laut der Strafanzeige besteht auch ein Kausalzusammenhang zwischen der Präsentation des «Mitmachbuches» und der anschliessenden, davon inspirierten sexuellen Misshandlung.
Pädophile freut’s
Das ist – insbesondere auch für das Opfer – schon schlimm genug. Das Ganze hat aber noch eine weitere Dimension, jene der Pädophilie und des «Groomings» (Kontaktaufnahme mit Kindern in Missbrauchsabsicht). «Für wen sind diese Bilder?», fragt die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Karla Etschenberg. Ihre Antwort lautet: Eine nicht nur mögliche, sondern sichere Nebenfolge solcher Darstellungen sei es, «dass sie Pädophile und pädosexuell ansprechbare Heranwachsende und Erwachsene» erfreuten.
Weiter schreibt Prof. Etschenberg, das eigentlich Problematische an solchen Bildern sei, dass sie «die unverdächtige Kontaktaufnahme zu Kindern» ermöglichten. «Was eignet sich besser für ein bis zum gewaltfreien Missbrauch steigerungsfähiges Grooming als ein pädagogisch legitimiertes Aufklärungsbuch für Vorschulkinder, das der Freund der Mutter, der spendable Grossonkel, die kinderliebende Nachbarin, der Praktikant als Geschenk mitbringt oder aus dem Bücherregal fischt, um es mit dem Kind gemeinsam anzuschauen und zu besprechen?»
Manche Abbildungen in «Wuschelkopf und Pupspopo» könnten auch den Tatbestand des «Posings» erfüllen. Darunter werden sexualisierte Darstellungen von Kindern und Jugendlichen verstanden, teilweise auch Nacktaufnahmen von Kindern in natürlichen Positionen. Im Strafgesetzbuch sei klargestellt, dass die Abbildung von Kindern in unnatürlicher, geschlechtsbetonter Körperhaltung als Kinderpornografie gelte.
Solche Machwerke aus Kitas und Schulen entfernen!
In Bezug auf «Wuschelkopf und Pupspopo» stellt Etschenberg die Frage: «Zeigen die hier beispielhaft abgebildeten Darstellungen nicht eindeutig die Merkmale des Posings? Oder ist es eine natürliche Körperhaltung, wenn ein Kind mit gespreizten Beinen in die Luft springt, um seine Genitalien im Spiegel zu sehen, die dadurch auch die Leserschaft zu sehen bekommt?»
Der Verein Schutzinitiative ist entsetzt über die Aufmachung und Absicht dieses Skandalbuchs und nimmt Anteil am Fall des mutmasslichen dreijährigen Opfers. Er klärt auf, informiert die Öffentlichkeit und berät und unterstützt betroffene Eltern. In aller Entschiedenheit hält er fest: Solche perversen Machwerke haben an Kitas und Bildungsinstitutionen nichts zu suchen!