– Basler Zeitung, 03.12.2014
Aktuell
Der Bundesrat hat heute in einer «Botschaft» an das Parlament die Volksinitiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» abgelehnt. Für die Forderungen der Initiative sehe er keinen Anlass, denn «bereits heute findet im Kindergarten und bis gegen Ende der Primarschule kein obligatorischer Sexualkundeunterricht statt». Zum gegenteiligen Befund kommt just am gleichen Tag das Bundesgericht, das die Dispensationsgesuche von Basler Eltern ablehnt, welche ihre Kinder vom obligatorischen Sexualkundeunterricht befreien wollten. «Was stimmt jetzt, wer hat Recht?» – könnte man sich fragen. Richtig ist, dass sich die Volksinitiative gegen die Ziele des Bun- desamts für Gesundheit (BAG) richtet, schweizweit obligatorischen Sexualkundeunterricht ab Kin- dergarten einzuführen (siehe Planung NPHS 2011–2017). Im Kanton Basel-Stadt ist dieser Unter- richt ab Kindergarten bereits für obligatorisch erklärt. Schlimmer noch als die offensichtliche Igno- ranz des Bundesrates ist die Tatsache, dass er das Grundlagenpapier Sexualpädagogik des BAG für «wissenschaftlich» hält, basiert es doch auf umstrittenen und unwissenschaftlichen Arbeiten von Sexualpädagogen, die pädophilen Kreisen nahestehen.
Sinn und Notwendigkeit von Sexualkundeunterricht im Kindergarten und in den ersten zwei Klassen der Primarschule sind bisher noch nie je wissenschaftlich begründet worden. Zudem ist das Interesse daran bei den Kindern in der Regel nur marginal. Das Bundesgericht hat in seinem Urteil zu den Dispensationsgesuchen festgehalten, dass das öffentliche Interesse an diesem Unterricht auch mit Unterricht «erst in höheren Klassen» erreicht werden könne. Das BAG hingegen will gemäss seiner Planung NPHS 2011–2017 schweizweit obligatorischen Sexualkundeunterricht ab Kindergarten einführen. Dieses Vorhaben ist vor allem ideologisch und nicht wissenschaftlich motiviert. Es verfolgt das Ziel, eine «Sexualpädagogik der Vielfalt» nach Uwe Sielert einzuführen (siehe diverse Zitate im Grundlagenpapier Sexualpädagogik und Schule des BAG). Damit soll einer «Entnaturalisierung von Heterosexualität, Generativität und Kernfamilie» (Sielert) Vorschub geleistet werden. Durch Nivellierung oder Verletzung des Schamgefühls von Kindern soll die Widerstandsfähigkeit in Bezug auf gesunde Grenzen der Sexualität aufgebrochen (!) werden. Zurück bleiben verwirrte und in ihrer Integrität verletzte Kinder, welche anfällig sind für sexuelle Grenzverletzungen (siehe Internet-Chats, Sexting) und Missbrauch.
Der Lehrplan 21 hat Grundgedanken der Volksinitiative übernommen: Bis zum Alter der dritten Primarklasse soll kein Sexualkundeunterricht durchgeführt werden. Somit geben der Lehrplan 21 und auch das Bundesgericht der Volksinitiative unmittelbar Recht, welche als Hauptziel vor dem neunten Altersjahr ausser Präventionsunterricht keinen Sexualkundeunterricht zulassen will.
28.11.2014
Das Bundesgericht lehnt die Gesuche zweier Basler Eltern um Dispensation ihrer Kinder vom Sexual- kundeunterricht im Kindergarten und in den ersten zwei Primarklassen ab. Anerkannt hat das Gericht, dass Sexualkundeunterricht in das Erziehungsrecht der Eltern, in den Schutz des Familienlebens und in die Glaubens- und Gewissensfreiheit eingreift. Hingegen sei von einem bloss «leichten» Eingriff auszugehen, da nur «reaktiver» und kein systematischer Unterricht geplant sei. Daher brauche es für diesen Unterricht keine explizite gesetzliche Grundlage. Das Bundesgericht hält den Unterricht zudem für verhältnismässig, bemerkt aber gleichzeitig völlig widersprüchlich, dass sich das öffentliche Interesse auch erreichen liesse, wenn der Unterricht erst «in höheren Klassen erteilt würde». Damit schwenkt das Bundesgericht auf die Leitlinie der Volksinitiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» ein, die im Frühjahr 2016 zur Volksabstimmung kommen wird. Zudem überlegen sich die Basler Eltern, den inhaltlich wider- sprüchlichen Entscheid an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGHMR) weiter- zuziehen.
Die Basler Eltern nehmen den Entscheid des Bundesgerichts mit Unverständnis und Enttäuschung entgegen. Auf der einen Seite bestätigt das Bundesgericht ausdrücklich, dass Sexualunterricht in verfassungsmässige Grundrechte eingreift und das öffentliche Interesse an diesem Unterricht auch mit Unterricht «erst in höheren Klassen» erreicht würde. Andererseits qualifiziert es den Grundrechts- eingriff als nur «leicht» und als verhältnismässig. Damit konnte es die Dispensationsgesuche argumen- tativ dennoch ablehnen.
Das Bundesgericht verwickelt sich in Widersprüche
Das Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts ist nicht frei von Widersprüchen. Gemäss Grundrechts- lehre ist zum Beispiel die Verhältnismässigkeit dann nicht gegeben, wenn das Ziel mit einem weniger schweren Grundrechtseingriff erreicht werden kann. Wenn also das Ziel des Sexualkundeunterrichts mit einem Unterricht «in höheren Klassen» erreicht werden kann, ist die Verhältnismässigkeit der Ablehnung von Dispensationsgesuchen in tieferen Klassen nicht gegeben. Allein schon deshalb hätte das Bundesgericht den Eltern Recht geben müssen.
Auf Unverständnis stösst auch die Aussage des Bundesgerichts, der geplante Sexualkundeunterricht sei nicht systematisch, sondern nur reaktiv vorgesehen. Das Bundesgericht erkannte nicht, dass gerade das Vorliegen eines Lehrplans mit Lernzielen für Sexualkundeunterricht in Basel-Stadt den Beweis für systematischen Sexualkundeunterricht darstellt. Oder sind neuerdings Lehrpläne und Lernziele nur dann einzuhalten, wenn Kinder zufälligerweise Fragen stellen?
Den beschwerdeführenden Eltern steht noch der Gang an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte offen. Mit dem Entscheid hat das Bundesgericht indirekt der Volksinitiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» das Wort geredet. Diese Volksinitiative sieht zwar Präventionsunterricht vor Kindsmissbrauch ab Kindergarten vor, Sexualkundeunterricht soll aber
erst «in höheren Klassen erteilt werden». Die Initiative will keinen Sexualkundeunterricht vor dem neunten Altersjahr. Die Abstimmung dazu findet voraussichtlich im Frühjahr 2016 statt.
28.11.2014
Soll im Kindergarten Sexualunterricht erteilt werden?
Soll im Kindergarten Sexualunterricht erteilt werden? Sendung «Club» v. 3.6.2014 im Schweizer Fernsehen DRS. Die Eingeladenen waren gerecht verteilt. Drei votierten für, und drei gegen die pflichtgemässe «Aufklärung» im Kinder- garten. Moderatorin Monika Vetsch bemühte sich neutral zu sein. Mir fehlte aber die Dimension des Religiösen. Wenn ich jetzt erwähne, dass Adam und Eva nach dem Sündenfall ihre Scham bedeckt haben, (1. Mose 3,7) werde ich in dieser scham- losen Gesellschaft wohl nur belächelt. Aber diese Stelle wurde von den Theologen immer für tief bedeutsam gehalten. Und Sigmund Freud hat schon gesagt: «Der Verlust der Scham ist das erste Zeichen von Schwachsinn». Davon, dass jedes Kind von Natur aus ein Schamgefühl hat, war nichts zu hören. Dieses ist nur Menschen eigen. Tiere schämen sich nicht. Wenn man die Bilder sieht, die 4 – 5 jährigen Kindern zugemutet werden, ist das keine Bildung, sondern man verführt sie zur Scham- losigkeit. Wenn in der Tagesschau von SRF um 19.30h, unter dem Vorwand der Aids-Prävention eine Kindergärtnerin vor den Kindern einen hölzernen erigierten Penis in Länge und Umfang ausmisst, so ist das eine Schweinerei. {…1 Solchen Auswüchsen will die Initiative «Schutz vor Sexua- lisierung im Kindergarten und Primarschule» vorbeugen. Eine ganzheitliche Sexualaufklärung müsste den Kindern beibringen, dass Sexualität eine von Gott gegebene Gabe ist, die verantwortungsvoll eingesetzt werden muss (dies wäre zudem der beste Schutz gegen Aids).
Alois Juchli, Freidorf
Sexualunterricht – bitte mehr Gelassenheit BaZ 19.6. 14
Wenn eine Argumentation der Initiative «Schutz vor Sexualisierung in Kinder- garten und Primarschule» ernst zu nehmen ist, dann jene, die Markus Melzl ein Scheinargument nennt – jedes Kind hat einen anderen Entwicklungsstand, und darauf ist zwingend Rücksicht zu nehmen. Melzl beruft sich, als Nicht-Experte in Pädagogik, auf Gepflogenheiten der Schule. Diese richtet Lehrpläne nach wie vor auf Kinder gleichen Jahrgangs aus, obwohl die Forschung zeigt, dass Kinder in ihrer Altersgruppe in ihren verschiedenen Fähigkeiten sehr unterschiedlich weit entwickelt sein können (1. Zürcher Longitudinalstudie 1955- 1975. 2. Zürcher Longitudinalstudie 1975-1995). In Deutschland und in der Schweiz entstehen zunehmend schulische Angebote, die sich dieser Erkenntnis verpflichten, mit individualisiertem Lernangebot Kindern gerecht zu werden. Sexualaufklärung muss sein, nicht erst im Kindergarten, sondern vorher – aber immer dem Kind entwicklungsan- gemessen, im Sinn der von der Initiative geforderten individuellen Rücksichtnahme auf das einzelne Kind.
Es ist äusserst bedauerlich, dass Markus Melzl den Inhalt der Volksinitiative «Schutz vor Sexualisierung in Kinder- garten und Primarschule» nicht richtig gelesen hat und damit den Eindruck vermittelt, die Initiative verbiete die Sexualaufldärung vor dem 9. Schuljahr («Sexualkundeunterricht bitte mehr Gelassenheit», BaZ 19. 6. 2014). Auch wenn das nur ein Verschreiber des ehemaligen Kriminalkommissärs und Sprechers der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt ist richtig heisst es «ab dem vollendeten 9. Altersjahr» kann freiwillige Sexualkunde erteilt werden, wenn Eltern diese lieber an die Schule delegieren wollen.
Ab vollendetem 12. Altersjahr ist obligatorischer biologischer Auf- klärungsunterricht vorgesehen. Kinder müssen ganz im Gegensatz zu den Behauptungen Melzls nicht «in jedem Alter» und «auf allen Stufen» wissen, dass «man sich beim Sex mit vielen Krankheiten anstecken kann». Das dazu nötige Wissen würde viele Kindergartenkinder und Schüler der 1. und 2. Primarklassen schlicht überfordern. Es ist viel besser, bei entsprechenden Fragen individuell zu ant- worten. Kindergartenkinder haben nun mal ganz andere Bedürfnisse als pubertierende Jugendliche! Nicht nur wir vom Initiativkomitee, sondern auch renommierte Fachleute vertreten diese Ansicht. Die Scheinargumente liegen also bei den Erwachsenen, die Sex unter allen Umständen schon bei den Kleinsten thematisieren möchten!
In Markus Melzls Kolumne wird zudem das Einmaleins mit Sexualität gleichgesetzt. Erfahrungsgemäss fin- den Kinder Sexualität «grusig», wenn sie dem Thema emotional noch nicht gewachsen sind, aber Ekelgefühle beim Rechnen? Wohl kaum? Prävention vor sexuellem Missbrauch lässt sich über- dies bei kleinen Kindern auch ohne Bilderbücher mit erigiertem Penis und ohne Wissen, wie der Geschlechtsakt funktioniert vermitteln. Für einen effizienten Schutz vor sexuellem Missbrauch braucht es also keinen flächendeckenden, lehrplanmässigen Sexualunterricht ab Kindergarten!
Ein besonders unangenehmes Gefühl für mich als Mutter beschleicht mich insbesondere, wenn ich daran denke, dass die neu propagierte Sexualerziehung auch auf den deutschen Professor und bekennenden Das Wissen über Sex und Sexualkrankheiten überfordert Kinder im Kindergarten und in der 1. und 2. Primarklasse. Pädophilen Helmut Kentler zurückzu- führen ist, und genau diese Lobbyisten auf die Gefühle der Kinder setzen, indem sie sagen: «Vertraue deinen eigenen Gefühlen» oder «Du hast das Recht zu wollen oder nicht zu wollen.»
Wieso sollen Kinder im Kindergarten überhaupt zwischen angenehmen (lustvollen) und unangenehmen Berührungen beziehungsweise zwischen Ja- und Nein-Gefühlen unterscheiden lernen? Wie soll ein Missbrauch noch erkannt werden, wenn die Berührung an der Intimzone vielleicht angenehme Gefühle auslöst? Für uns als Initiativkomitee gilt zum Schutz der Kinder: An den Intimzonen des Kindes hat niemand etwas zu suchen! Da gilt ein klares Nein! Einig sind wir mit Markus Melzl darin, dass der Besuch der «externen Sextante» nicht nur in Binningen, sondern auch an anderen Orten der Schweiz zu Exzessen geführt hat. Anweisungen zu Masturbation und zu «gutem Sex» gehören nicht in den obligatorischen Schulunterricht für Zwölfjährige. Deshalb kämpfen wir für eine kindgerechte Aufklärung! Ulrike Walker, Basel, Co-Präsidentin der Eidgenössischen Volksinitiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule».
Von Ulrike Walker, Baslerzeitung
SRF-Club: Sexualaufklärung auch für Kindergärtler vom 03.06.2014
Eine Volksinitiative will Sexualkunde im «Chindsgi» verbieten. Aufklärung sei Elternsache, intim und individuell. Verwirrung stiften Gerüchte über Sexkoffer mit Holzpenis und Plüschvagina. Sexualerziehung in der Volksschule scheidet die Geister: Schadet oder nützt sie den Kindern?
Aus der Basler Zeitung vom 14.5.14
Sextante D. unterrichtet weiter – Basel passt Leistungsauftrag an
Von Nadine A. Brügger
Basel. Im Februar berichtete die BaZ über den Schulbesuch der Sextante D. in Binningen. Im Auftrag der Aidshilfe beider Basel (AHbB) sollte sie die Schüler über sexuell übertragbare Infektionen informieren, gab den Zwölfjährigen aber Tipps zu Selbstbefriedigung und Sexualstellungen. Laut Geschäftsleiter Daniel Stolz ist die betroffene Sozialpädagogin noch immer «erfolgreich in beiden Kantonen im Einsatz».
Regierungsrat Carlo Conti hat sich den Bericht zu Herzen genommen: «Was wären wir denn für ein Gesundheitsdepartement, wenn wir solche Meldungen nicht ernst nehmen und in unsere Planung einbeziehen würden?»
Eine Gratwanderung
Auch Stolz hat nach dem Bericht sofort das Gespräch mit der Sexualpädagogin gesucht. Sie habe den Tag anders erlebt, als im Bericht zu lesen war und vertrete die Grundsätze der AHbB, wie «man darf lachen, aber nicht auslachen» und «niemand muss über ein Thema sprechen», sagt Stolz. Aber «auf die teilweise weit auseinandergehenden Bedürfnisse aller Schüler einzugehen ist eine Gratwanderung». Die AHbB biete «Aufklärung zu sexuell übertragbaren Infektionen, keine Sexualkunde». Die meisten Übertragungswege von Viren wie HIV haben aber mit Sexualität zu tun, weshalb stets beides thematisiert werden müsse. Daran werde sich auch zukünftig nichts ändern: «Wer nicht will, dass wir Sexualität thematisieren, soll uns gar nicht erst holen.
» Selbstbefriedigung wird laut Stolz aber nur dann zum Thema, wenn die Schüler danach fragen. Ob das in Binningen der Fall war, bleibt unklar. Noch hat die AHbB auch in ihrem Aufklärungsprogramm «keine konkrete Änderung» vorgenommen, da «neue Ideen schon länger geprüft werden».
Bedarfsgerechte Anpassungen
Conti betont, die Zusammenarbeit mit der AHbB sei für beide Seiten zufriedenstellend. Er möchte diese Partnerschaft nicht belasten. Dass der Leistungsauftrag des Kantons gegenüber der AHbB überarbeitet werde, liege daran, dass der Subventionsvertrag der AHbB angepasst und das Schulangebot seit 2014 in einer separaten Vereinbarung geregelt wird, so Philipp Waibel, Leiter Gesundheitsdienste.
Inhalte und Abläufe der Schuleinsätze sollen so «bedarfsgerechter» gesteuert werden. Was «bedarfsgerecht» genau bedeutet, erklärt Markus Ledergerber, Leiter Kinder- und Jugendgesundheitsdienst: «Jugendliche suchen ehrliche und kompetente Antworten.» Damit die Jugendlichen aber nicht mehr hören, als sie wissen wollen, wird ab sofort eine «halbjährliche Berichterstattung über die stattgefundenen Klassenbesuche» abgehalten. So bestehe die Möglichkeit «bei Bedarf Veränderungen an den Schulbesuchen vorzunehmen». Wichtig sei ein «wertfreier und möglichst nicht beurteilender Umgang mit Sexualität». Was sich in der Leistungsvereinbarung des Kantons mit der Aidshilfe definitiv ändern wird und ob die Pädagogin weiterhin praktizieren darf, steht bald fest.
«Viele finden das einen Skandal»
Dominik Lusser von Zukunft CH hofft auf politisches Nachspiel
BaZ: Was stört Sie an der neuen «Love-Life»-Kampagne des BAG?
Dominik Lusser: Sie ist, wie der Ex- Benetton-Fotograf Oliviero Toscani gegenüber 20 Minuten sagt, «nur Pornografie ». Unser Augenmerk gilt den Kindern, deren Sensibilität übergangen wird. Da ist es lächerlich, auf die theoretische Unterscheidungen zwischen Pornografie und Nicht-Pornografie zu verweisen, wie dies die Aids-Hilfe und das BAG tun.
Sexualität ist im Internet und im Fernsehen omnipräsent. Warum überschreitet genau diese Kampagne Ihre Grenzen?
Das Grundproblem liegt darin, dass das BAG, die Aids-Hilfe und Sexuelle Gesundheit Schweiz neben der Prävention noch andere Interessen verfolgen. Das BAG ist Promotor einer sexuellen Freiheit ohne Grenzen und Tabus. Sexuelle Gesundheit hat aber nicht nur mit Lust und Schutz vor Krankheiten, sondern auch mit langfristigen und echt beglückenden Beziehungen zu tun.
Sie rufen die Bevölkerung auf, das Bundesamt für Gesundheit zu verklagen. Erwarten Sie wirklich eine Anzeigenflut?
Viele Menschen haben uns gefragt, was man gegen diese Kampagne tun könne. Eine Anzeige ist eine Möglichkeit. Es wird sich zeigen, was diese bewirkt. Es ist auf alle Fälle wichtig, dass eine Diskussion angestossen wird, was im öffentlichen Raum sein darf und was nicht. Nur weil das SRF und die Gratiszeitungen laufend freizügiger werden, heisst das nicht, dass alle Leute begeistert davon sind. Viele Leute finden die aktuelle Kampagne einen Skandal.
Heute ist internationaler Tag gegen Homophobie. Wie prüde sind Sie?
Wir hätten die Kampagne auch kritisiert, wenn nur Hetero-Pärchen dargestellt worden wären. Wenn der Staat Bürger dazu aufruft, sich beim Sex filmen zu lassen, dann bringt er damit das Fass zum Überlaufen. Wir hoffen, dass diese Geschichte ein politisches Nachspiel haben wird.
Aus der Basler Zeitung vom 15.5.14
Eine Stiftung ärgert sich an der neuen «Love-Life»-Kampagne des Bundes und droht mit einer Anzeigenflut
Die neue Aids-Präventionskampagne des Bundesamts für Gesundheit (BAG) erhitzt die Gemüter. Der provokative Werbespot bringt die Stiftung Zukunft CH derart in Rage, dass sie die Bevölkerung der Schweiz aufruft, das BAG «mit einer Flut von Strafanzeigen» einzudecken. Die Stiftung Zukunft CH, die sich eigentlich gegen die schleichende Einführung der Scharia einsetzt, dehnt ihren Handlungsradius aus. Sie stört sich daran, dass die Kampagne unverblümt Bilder von homo- und heterosexuellen Paaren beim Sex zeigt.
Für die Stiftung ist klar, dass sich die neue Kampagne mit dem Strafgesetzbuch nicht vereinbaren lässt. Laut diesem ist es verboten, Pornografie unter 16-jährigen zugänglich zu machen. Dominik Lusser, Mitarbeiter der Stiftung Zukunft CH, schritt gestern auch zur Tat und erstattete in Luzern Anzeige. Lusser, der die Anzeige als Mitarbeiter der Stiftung im Namen seiner Mitgliedschaft in der Interessensgemeinschaft Sexualerziehung erhob, stiess bei der Luzerner Polizei aber auf taube Ohren. Der Straftatbestand sei nicht erfüllt, wurde ihm mitgeteilt. Ober er die Anzeige weiterzieht, wird derzeit noch abgeklärt.
Unterstützung erhält die Stiftung von der EVP. Laut Medienmitteilung will die Partei Kindern in der Öffentlichkeit vor solchen Sexszenen bewahren. Obwohl der Clip keine Geschlechtsteile zeige, würden die Bilder und Clips von vielen Betrachtern als pornografisch empfunden, sagt die EVP. Es stelle sich auch die Frage, welche «Porno-Dampfwalze» bei der nächsten Kampagne komme. Die EVP prüft nun ebenfalls eine Anklage. Das BAG reagiert laut Luzerner Zeitung gelassen.
Bei der Kampagne handle es sich nicht um Pornografie. Man habe das juristisch abklären lassen, zitiert die Zeitung den Sprecher. «Viele finden das einen Skandal» Dominik Lusser von Zukunft CH hofft auf politisches Nachspiel BaZ: Was stört Sie an der neuen «Love-Life»-Kampagne des BAG? Dominik Lusser: Sie ist, wie der Ex-Benetton-Fotograf Oliviero Toscani gegenüber 20 Minuten sagt, «nur Pornografie». Unser Augenmerk gilt den Kindern, deren Sensibilität übergangen wird. Da ist es lächerlich, auf die theoretische Unterscheidungen zwischen Pornografie und Nicht-Pornografie zu verweisen, wie dies die Aids-Hilfe und das BAG tun. Sexualität ist im Internet und im Fernsehen omnipräsent.
Warum überschreitet genau diese Kampagne Ihre Grenzen? Das Grundproblem liegt darin, dass das BAG, die Aids-Hilfe und Sexuelle Gesundheit Schweiz neben der Prävention noch andere Interessen verfolgen. Das BAG ist Promotor einer sexuellen Freiheit ohne Grenzen und Tabus. Sexuelle Gesundheit hat aber nicht nur mit Lust und Schutz vor Krankheiten, sondern auch mit langfristigen und echt beglückenden Beziehungen zu tun. Sie rufen die Bevölkerung auf, das Bundesamt für Gesundheit zu verklagen. Erwarten Sie wirklich eine Anzeigenflut? Viele Menschen haben uns gefragt, was man gegen diese Kampagne tun könne. Eine Anzeige ist eine Möglichkeit.
Es wird sich zeigen, was diese bewirkt. Es ist auf alle Fälle wichtig, dass eine Diskussion angestossen wird, was im öffentlichen Raum sein darf und was nicht. Nur weil das SRF und die Gratiszeitungen laufend freizügiger werden, heisst das nicht, dass alle Leute begeistert davon sind. Viele Leute finden die aktuelle Kampagne einen Skandal. Heute ist internationaler Tag gegen Homophobie. Wie prüde sind Sie? Wir hätten die Kampagne auch kritisiert, wenn nur Hetero-Pärchen dargestellt worden wären.
Wenn der Staat Bürger dazu aufruft, sich beim Sex filmen zu lassen, dann bringt er damit das Fass zum Überlaufen. Wir hoffen, dass diese Geschichte ein politisches Nachspiel haben wird.
BERN. Die Initiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» ist mit 110000 Unterschriften eingereicht worden. Die Initianten wollen Regeln zum Sexualkundeunterricht in der Bundesverfassung verankern. (sda)
St.Galler Tagblatt
