Die Initiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» dürfte vors Volk kommen. Am Dienstag haben die Initianten die Unterschriften eingereicht. Es seien über 110 000 beglaubigte Unterschriften abgegeben worden, teilte das Initiativkomitee mit. Die Initianten wollen Regeln zum Sexualkundeunterricht in der Bundesverfassung verankern. Schulen sollen Sexualkundeunterricht nur Kindern anbieten dürfen, die das neunte Altersjahr vollendet haben. Zwischen dem neunten und dem zwölften Altersjahr soll dieser Unterricht freiwillig sein.

NZZ

Bern. Die Initiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» dürfte vors Volk kommen. Gestern haben die Initianten nach eigenen Angaben über 110000 beglaubigte Unterschriften eingereicht. Sie wollen, dass Schulen Sexualkundeunterricht nur Kindern anbieten dürfen, die das neunte Altersiahr vollendet haben. SDA

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 Das Initiativkomitee «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» hat am Dienstag, 17. Dezember 2013, der Bundeskanzlei in Bern nach eigenen Angaben über 110’000 beglaubigte Unterschriften abgegeben. Das Volksbegehren richtet sich in erster Linie gegen die Pläne des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), in der ganzen Schweiz ab Kindergartenstufe obligatorischen Sexualkundeunterricht einzuführen. Die gesammelten Unterschriften stammen aus der ganzen Schweiz. Ein besonders gutes Ergebnis wurde im Kanton Basel-Stadt erzielt.

Die Volksinitiative will in der Bundesverfassung festschreiben, dass Sexualerziehung Sache der Eltern ist, und dass die Schulen ab dem neunten Altersjahr des Kindes ergänzend Sexualkunde- unterricht anbieten können. Darüber hinaus sollen ein Unterricht zur Prävention von Kindsmiss- brauch bereits ab Kindergarten und ein Biologieunterricht zur Vermittlung von Wissen über die menschliche Fortpflanzung und Entwicklung ab dem zwölften Alterjahr möglich sein. Die Volks- initiative verfolgt mit diesem Konzept der Sexualaufklärung eine Stärkung der verfassungs- mässigen Grundrechte der persönlichen Freiheit des Kindes und der Eltern, des Schutzes der Unversehrtheit der Kinder und der Achtung des Privat- und Familienlebens.

Die Volksinitiative richtet sich in erster Linie gegen die Pläne des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), welches klammheimlich unter dem Vorwand der Aidsprävention schweizweit obligatori- schen Sexualkundeunterricht ab Kindergarten einführen will. Dieses Programm hat das BAG in seiner Planung „NPHS 2011-2017“ und im „Grundlagenpapier Sexualpädagogik und Schule“ festgeschrieben. Letzteres wurde vom inzwischen wieder geschlossenen „Kompetenzzentrum Sexualpädagogik und Schule“ an der PHZ Luzern im Auftrag des BAG verfasst. Die provokativen „Sexboxen“ für Basler Kindergärten kamen zustande, nachdem die Leitung der Basler Volksschu- len das Programm des Luzerner Kompetenzzentrums umzusetzen begonnen hatte.

110’000 Unterschriften aus allen Landesteilen der Schweiz

Innerhalb der gesetzlichen Frist haben nun über 110’000 Stimmberechtigte zum Ausdruck ge- bracht, dass sie einen obligatorischen Sexualkundeunterricht ab Kindergarten ablehnen. Absolut am meisten zur Unterschriftensammlung beigetragen haben die Kantone Bern und Zürich mit je über 18’000 Unterschriften, gefolgt von St. Gallen mit über 13’000. Im Verhältnis zur stimmberech- tigten Bevölkerung steht aber an erster Stelle der Kanton Appenzell-Innerrhoden, wo fast 5% der Stimmbürgerinnen und -bürger die Initiative unterzeichnet haben. Bereits an zweiter Stelle aller Kantone folgt Basel-Stadt mit fast 5’000 Unterschriften bzw. über 4,4% aller Stimmberechtigten. Der Kanton St. Gallen folgt auch bei dieser Betrachtungsweise mit fast 4,4 % auf Platz 3.

Medienmitteilung, 17.12.2013 herunterladen

 

Bern Die Volksinitiative ((Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» steht! «Es ist ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk », freut sich SVP-Nationalrat Sebastian Frehner (BS). «Wir werden etwa 107000 beglaubigte Unterschriften einreichen können.» Die Unterschriften werden der Bundeskanzlei am 17. Dezember übergeben zwei Tage vor Ablauf der Sammelfrist. Auslöser der Initiative war der umstrittene Sexkoffer an den Basler Schulen, der Plüsch vaginas und Holzpenisse als Anschau ungsmaterial enthält. «Die Basler Schulkinder müssen als Versuchskaninchen herhalten »sagt Frehner. Der Druck der Initiative habe bereits bewirkt, dass die Praxis angepasst worden sei. Doch der Sexkoffer gehört in Basel mittlerweile zum Schulunterricht. «Die Initiative ist umso nötiger», sagt Frehner. «Es muss in der Selbstverantwortung der Eltern liegen, wann und wie sie ihre Kinder aufklären wollen.» Er betont gleichzeitig, dass «Präventionsunterricht gegen Kindsmissbrauch von Anfang an möglich sein soll». Auch das Thema der Fortpflanzung soll bei älteren Primarschülern im Biologieunterricht Platz haben. «Wir wehren uns aber klar gegen ideologische Sexualerziehung », sagt Frehner und fügt an: «Ein Vierjähriger muss nicht schon den Unterschied zwischen homo und hetero kennen und diese als gleichwertig anerkennen müssen.»

Ruedi Studer, Blick

Ich bin eine junge Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern. Ich setze mich seit längerer Zeit eingehend mit dem Schulstoff der Sexualerziehung auseinander. Mit was ich da konfrontiert wurde, ist so unfassbar, dass es fast schon unglaubwürdig erscheint. Ich bin überzeugt, dass die allermeisten Eltern (und auch Lehrer!) dies nicht befür worten würden, wüssten sie über den wirklichen Inhalt Bescheid! Doch dies wird von den Initianten der Sexualerziehung und Schulleitern kategorisch verschwiegen. Die Eltern wer den mit fadenscheinigen Ausreden ruhiggestellt und es wird ihnen weis gemacht, dass sich nichts gross ändern wird. Tatsache ist aber, dass den Kindern Unterlagen über Selbstbefriedigung, Analverkehr, Erregungstechniken,Schwulentreffs, Abtreibung ohne Einwilligung der Eltern, usw. ausgehändigt werden. An einigen Schulen ist es jetzt schon Realität, dass Pornofilme mit den Kindern im Schulzimmer geschaut werden. Dies sind keine Gerüchte, sondern selbst erlebte Realität. Die ganze «neue Sexualerzie hung» gründet auf der Erkenntnis «Das Kind ist ein sexuelles Wesen (von Geburt auf)». Ob dies wirklich einem Kindergärt ler vermittelt werden muss, ist meines Erachtens sehr fragwürdig. Für mich ist es eine massive Verletzung der Intimsphäre. Ich möchte einfach allen Eltern empfehlen: Informiert euch! Lest die Webseiten der Initianten (z.B. Lust und Frust) durch und entscheidet selbst, ob dies gut ist für unsere Kinder! Und wenn es euch zu bunt wird, getraut euch etwas zu sagen! Wir tragen letztendlich immer noch die Verantwortung für unsere Kinder.

Zuri Egbon

Heute werden in der ganzen Schweiz Unterschriften für die Volksinitiative gesammelt.

An vorderster Front dabei ist auch der 22-jährige Ausserberger Diego Schmid. Interview: Michel Venetz Warum sammeln Sie Unterschriften für die Volksinitiative? «Die Sexualaufklärung von Kleinkindern ist Sache der Eltern. Mich stört es, dass die Schule bereits im TKindergarten und in den ersten Jahren der Primarschule ihr Weltbild über die Sexualität vermitteln kann »

Der Sexualkundeunterricht in den Schulen kommt für Sie also zu früh?

«Ja, im Kindergarten und in den ersten beiden Primarklassen braucht es noch keinen Sexualkundeunterricht. Ich konnte nur den Kopf schütteln, als ich erfuhr, dass der Kanton Basel für den Auf ldärungsunterricht an Schulen eine <Sexbox> mit Holzpenissen und Geschlechtsteilen aus Stoff zur Verfügung stellte.»

Wie sollte denn Ihrer Meinung nach der Sexualunterricht aufgegleist werden?

«Der Unterricht sollte vor dem neunten Altersjahr untersagt werden und anschliessend freiwillig sein. Ab dem zwölften Lebensjahr sollen dann die Kinder in einem obligatorischen Biologieunterricht über die menschliche Fortpflanzung aufgeklärt werden. Der Unterricht soll aber nur auf wissenschaftlicher Basis durchgeführt werden, ohne das Gedankengut der 68er-Generation. Das fordert ja auch die Volksinitiative.»

Übertreiben Sie mit Ihren Forderungen nicht ein wenig?

In den Walliser Kindergärten sind ja keine «Sexboxen» im Einsatz. «Nein, ich übertreibe nicht. Wir müssen aufpassen, in welche Richtung sich der Sexualkundeunterricht entwickelt. In unserem Kanton ist die SIPE an den Schulen für den Aufklärungsunterricht verantwortlich. Die SIPE wird vom Staat finanziell unterstützt. Als zukünftiger Sekundarlehrer finde ich das bedenklich. Die Sexualaufklärung muss Sache der Elternbleiben. Die Schule muss sich in diesem Bereich neutral verhalten. Der heute bestehende staatlich finanzierte Sexualkundeunterricht ist da sicherlich der falsche Ansatz.»

Was haben Sie als OS-Schüler für Erfahrungen mit dem Sexualunterricht gemacht?

«An der Orientierungsschule haben wir während den Biologiestunden das Thema menschliche Fortpflanzung detailliert behandelt. Ich fand dieses Art des Unterricht sehr spannend und lehrreich.»

Und wie sah es mit dem Sexualkundeunterricht der SIPE aus?

«Auch die Sexualpädagogen der SIPE haben damals bei uns vorbeigeschaut und hatten unter anderem <Sexboxen> mit Holzpenissen und Kondomen dabei. Ich kann mich noch daran erinnern, dass viele Schüler damals während des Unterrichts gelacht und Witze gerissen haben. Mir schien es fast so, als ob die Schüler auch noch im OS-Alter teilweise unreif waren und sich nicht sachlich mit dem Thema Sexualität auseinandersetzen konnten. Für mich persönlich war der SIPE-Unterricht nicht sehr förderlich.»

Die Arbeit der SIPE stört Sie also?

«Nein, das kann ich so nicht sagen. Ich finde es aber fragwürdig, dass der Staat diese Art des Unterrichts an den Schulen finanziell unterstützt. Der Staat und insbesondere die Schule müssten sich neutral verhalten. Ausserdem finde ich, dass die Eltern ihre Kinder aufklären sollten und nicht die Schule.»

Die Befürworter für einen frühen Sexualkundeunterricht an Schulen sagen, dass dank dieser Form des Unterrichts die Zahl der Geschlechtskrankheiten deutlich reduziert werden kann.

«Da muss ich widersprechen, das Gegenteil ist der Fall. Es gibt Studien, die besagen, dass in Ländern wie Schweden und England, wo ein früher Sexualkundeunterricht an den Schulen obligatorisch ist, prozentual gesehen am meisten Geschlechskrankheiten ausbrechen.»

Die Gegner der Initiative bezeichnen Sie als fortschrittsfeindlich und konservativ.Was sagen Sie dazu?

«Das ist für mich nichts Neues. Diese Argumente werden von den Gegnern oft vorgebracht. Sie stören mich auch nicht. Fortschrittsfeindlich sind wir aber auf keinen Fall. Wir vertreten einfach eine andere Meinung als die meisten Sexualpädagogen. »

Heute gehen Sie in Brig auf die Strasse und sammeln Unterschriften. Was denken Sie, findet Ihr Anliegen bei der Oberwalliser Bevölkerung Gehör?

«Ja, ich denke schon. Ich habe bereits mit vielen Leuten in meinem Umfeld Gespräche geführt und stelle fest, dass die Unterstützung für die Volksinitiative durchaus vorhanden ist.»

Diego Schmid (Interview-Partner)

Der neue Sexualkundeunterricht nach dem Grundlagenpapier des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) ist zu Recht umstritten. Eltern mit diversem weltanschaulichen Hintergrund wehren sich vehement gegen Sexkoffer, pornographisches Material und seltsame Spiele im Kindergarten und in der Primarschule («Karottenkönig» ist beispielsweise der, der am schnellsten Kondome über ein Rüebli ziehen kann). Der Sexualkundeunterricht dient der Prävention vor HIV Ansteckung und Geschlechtskrankheiten, versichert die «IG für eine vernünftige Sexualkunde». Ohne diese werde es prekär, sogar gefährlich, sagt sie. Ist diese Art der Prävention wirklich das geeignete Mittel für Kindergärtler und Primarschüler oder gibt es dringendere Anliegen für die Prävention? Wo war der Aufschrei und der Protest des Fachverbands der Sexualpädagogen, des Fachverbands Sexuelle Gesundheit in Beratung und Bildung (Faseg) also, als vor kurzem eine Geset zesänderung vollzogen wurde, so dass nun eine HIV-positive Person, die dies wissentlich ihrem Sexualpartner verschweigt und ungeschützt Sex hat mit ihm hat, keine strafbare Handlung mehr begeht. Wäre nicht hier dringendster Handlungsbedarf gegeben?

Angelika Andenmatten

Die Initiative gegen Sexualkunde im Kindergarten soll zustande kommen. Nach Auskunft der Initianten ist es «nur noch eine Formsache». Walter Bellwald Rund einen Monat vor Ende der Sammelfrist sind schon weit über 90 000 Unterschriften für das Volksbegehren «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» zusammengekommen. Weitere Standaktionen sollen folgen. Auch im Oberwallis.

«Sexualität als Konsumgut»

Für Monika Bayard und Anni Filipponi von der IG Sorgfalt ist die Initiative der richtige Weg, «um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren». «Mit der Initiative wird das Thema neu lanciert und die Eltern befassen sich mit der Thematik», ist Anni Filipponi überzeugt. Der frühzeitige Sexualunterricht an Kindergärten und Schulen sei nicht zeitgerecht und entspreche nicht dem individuellen Entwicklungsstand der Kinder. «Unter dem Deckmantel Prävention und Schutz vor sexuellen Übergriffen, soll im Unterricht ein Welt- und Menschenbild dominieren, welches die Werte vieler Eltern verdrängt», sagt Monika Bayärd. «Anstatt Prävention zu betreiben, wird Sexualität als Konsumgut verkauft.»

«Kindsmissbrauch ansprechen»

Den Vorwurf der «Angstmacherei» oder «Verklenimtheit» lassen Monika Bayard und Anni Filipponi nicht gelten. «So beinhaltet zum Beispiel das vom Bundesamt für Gesundheit finanzierte Lehrmittel Hotnights, eine vulgäre Sprache und perverse Bilder. Das Buch macht Werbung für verschiedene Konsumgüter wie zum Beispiel für Bier oder Social Media. Prävention bedeutet für viele Eltern, ihre Kinder genau vor solchen Beeinflussungen zu schützen», sagt Fiippo ni. Selbstverständlich müsse Kindsmissbrauch auch im Kindergarten thematisiert werden, sagt Filipponi. «Dafür braucht es aber keinen spezifischen Sexualkundeunterricht.» Auch die Aussage von Sexualpädagogen, wonach ein Kind ein sexuelles Wesen sei, sei stark irreführend. «Die Sexualität ist nur ein Teil des Menschen», betont Monika Bayard.

Mehr Verantwortung übernehmen

Nach Bayard und Filipponi sollen die Eltern wieder die Verantwortung für die Aufldärung ihrer Kinder übernehmen und darüber entscheiden, «ob und wann ihr Kind am Sexualkundeunterricht teilnimmt.» In der Schule sei biologische Aufklärung nötig. Sexualerziehung sei aber das Vorrecht der Eltern. «Verschiedene Organisationen könnten ausserhalb der Schule ihre Programme anbieten, damit sich die Eltern für das Angebot entscheiden können, das ihren Werten entspricht. Kinder und Jugendliche dürfen nicht dazu gezwungen werden», betont Filipponi. Werte wie Ethik und Erziehung müssten wieder mehr gewichtet werden. Es sei nicht Aufgabe der Schule und des Staates, sich in erzieherische Angelegenheiten der Eltern einzumischen. «Die Familie ist das nachhaltigste Modell der Kindererziehung und soll es auch bleiben», so Bayard.